
Es ist ein Moment, den fast jeder kennt. Plötzlich wird es dunkel, der Kühlschrank verstummt, der Fernseher geht aus. Sie schauen aus dem Fenster und stellen fest, bei den Nachbarn brennt überall Licht. Genau das ist eine wichtige Beobachtung, denn sie verrät Ihnen schon eine Menge über die Ursache. Wenn ringsum alle Strom haben und nur Ihre Wohnung oder Ihr Haus betroffen ist, liegt der Fehler mit hoher Wahrscheinlichkeit in Ihrer eigenen Anlage und nicht beim Netzbetreiber. In diesem Beitrag gehen wir Schritt für Schritt durch, was Sie jetzt tun können, was Sie selbst gefahrlos prüfen dürfen und ab wann ein Elektriker ran muss.
Erst einmal Ruhe bewahren, das ist sogar ein gutes Zeichen
So ärgerlich der plötzliche Ausfall auch ist, die Tatsache, dass Ihre Nachbarn weiterhin versorgt sind, grenzt das Problem stark ein. Bei einem großflächigen Stromausfall wären ganze Straßenzüge betroffen, und Sie könnten selbst nichts ausrichten, außer zu warten. Sind aber nur Sie betroffen, dann steckt die Ursache meistens im eigenen Sicherungskasten. Und dort lassen sich viele Probleme mit ein paar einfachen, sicheren Handgriffen wieder in Ordnung bringen. Bewahren Sie also Ruhe, holen Sie sich bei Bedarf eine Taschenlampe oder das Handylicht, und gehen Sie die folgenden Punkte der Reihe nach durch.
Prüfen Sie zuerst, ob wirklich nur Sie betroffen sind
Bevor Sie irgendetwas anfassen, verschaffen Sie sich einen Überblick. Schauen Sie, ob im Treppenhaus noch Licht brennt, ob die Straßenlaternen leuchten und ob bei den Nachbarn tatsächlich alles funktioniert. Fragen Sie im Zweifel kurz nach. Diese kleine Bestandsaufnahme sagt Ihnen, ob es sich um ein Problem Ihrer Wohnung handelt oder doch um etwas Größeres im Gebäude. Achten Sie auch darauf, ob wirklich der gesamte Haushalt ohne Strom ist oder nur einzelne Räume und Steckdosen. Dieser Unterschied ist später wichtig, weil er auf ganz unterschiedliche Ursachen hindeutet.
Der Blick in den Sicherungskasten
Der Sicherungskasten, oft auch Verteilerkasten oder Zählerschrank genannt, befindet sich meist im Flur, im Keller, im Hausanschlussraum oder in einer Abstellkammer. Hinter der Klappe finden Sie mehrere Schalter in einer Reihe. Öffnen Sie die Klappe und schauen Sie genau hin. Steht ein Schalter in einer anderen Stellung als die übrigen, also nach unten gekippt oder in einer Mittelstellung, dann haben Sie die Ursache vermutlich schon gefunden. Ein Sicherungskasten enthält in der Regel zwei Arten von Schutzeinrichtungen, die Sie kennen sollten, den FI-Schutzschalter und die einzelnen Leitungsschutzschalter. Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Der FI-Schutzschalter hat ausgelöst
Der FI-Schutzschalter, häufig auch RCD genannt, ist meist etwas breiter als die übrigen Schalter und trägt oft eine Prüftaste mit der Aufschrift T oder Test. Er schützt Sie vor gefährlichen Fehlerströmen, also davor, dass Strom dort fließt, wo er nicht hingehört, zum Beispiel durch einen Menschen. Wenn dieser Schalter ausgelöst hat und der komplette Haushalt dunkel ist, ist das oft der Grund. Häufige Auslöser sind ein defektes Gerät, ein feuchter Stecker oder Wasser, das an eine Steckdose gelangt ist.
Sie dürfen versuchen, den FI-Schutzschalter wieder einzuschalten. Kippen Sie ihn dazu einfach zurück in die Stellung der anderen Schalter. Bleibt er oben und der Strom ist wieder da, war es vermutlich eine einmalige Störung. Springt er dagegen sofort wieder heraus, dann liegt ein echter Fehler vor. In diesem Fall trennen Sie zuerst alle größeren Verbraucher vom Netz, ziehen also die Stecker von Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler und anderen Geräten. Danach versuchen Sie erneut, den Schalter einzuschalten. Klappt es jetzt, stecken Sie die Geräte nacheinander wieder ein, bis der Schalter erneut auslöst. So finden Sie den Übeltäter. Löst der FI-Schutzschalter aber auch ohne angeschlossene Geräte immer wieder aus, dann sollten Sie nicht weiter herumprobieren, sondern einen Elektriker rufen.
Ein einzelner Leitungsschutzschalter ist gefallen
Neben dem FI-Schutzschalter sehen Sie mehrere schmalere Schalter, die einzelnen Leitungsschutzschalter, umgangssprachlich oft einfach Sicherungen genannt. Jeder von ihnen ist für einen bestimmten Stromkreis zuständig, also zum Beispiel für die Küche, das Wohnzimmer oder die Steckdosen im Bad. Wenn nur ein solcher Schalter herausgesprungen ist, dann ist auch nur ein Teil Ihrer Wohnung betroffen, nicht der ganze Haushalt.
Ein einzelner Schalter fällt meist wegen Überlastung. Das passiert, wenn zu viele starke Geräte gleichzeitig an einem Stromkreis hängen, etwa Wasserkocher, Mikrowelle und Toaster zur selben Zeit. Schalten oder ziehen Sie ein paar dieser Verbraucher ab und kippen Sie den Schalter wieder nach oben. Bleibt er oben, ist alles gut. Fällt er trotz reduzierter Last sofort wieder heraus, kann ein Kurzschluss oder ein defektes Gerät dahinterstecken. Auch hier gilt, probieren Sie nicht endlos herum, sondern holen Sie fachliche Hilfe.
Nur einzelne Räume oder Steckdosen ohne Strom
Manchmal ist gar nicht die ganze Wohnung dunkel, sondern nur eine einzelne Steckdose oder ein einzelner Raum. In diesem Fall lohnt ein prüfender Blick auf die betroffene Steckdose. Riecht es verschmort, sind Verfärbungen zu sehen oder wackelt der Stecker verdächtig, dann schließen Sie dort auf keinen Fall weitere Geräte an. Testen Sie stattdessen, ob das ausgefallene Gerät an einer anderen Steckdose funktioniert. Läuft es dort einwandfrei, liegt das Problem an der Steckdose oder der dahinterliegenden Leitung. Solche Fehler in der Leitung oder in der Steckdose selbst gehören immer in die Hände eines Elektrikers, denn hier geht es um die feste Installation in der Wand, und die darf niemand ohne Fachwissen öffnen.
Hauptsicherung und Zähler, hier ist besondere Vorsicht geboten
Im Sicherungskasten finden Sie neben den erwähnten Schaltern manchmal auch die sogenannte Hauptsicherung oder die Zählersicherung, oft hinter einer verplombten Abdeckung. Diese Bauteile sind bewusst versiegelt, und das aus gutem Grund. Sie stehen unter der Hoheit des Netzbetreibers, und an ihnen darf ausschließlich der Netzbetreiber oder ein von ihm beauftragter Elektriker arbeiten. Brechen Sie die Plombe niemals selbst auf. Wenn Sie den Verdacht haben, dass die Ursache dort liegt, weil sämtliche Schalter korrekt stehen und trotzdem kein Strom fließt, dann ist das ein klarer Fall für den Fachmann.
Mietwohnung oder Eigentum, wen kontaktieren Sie?
Ob Sie zur Miete wohnen oder Eigentümer sind, macht einen Unterschied dabei, wen Sie im nächsten Schritt ansprechen. Als Mieter sind Sie für kleinere Handgriffe wie das Zurücksetzen eines Schalters zuständig, für alles Weitere aber informieren Sie Ihre Hausverwaltung oder Ihren Vermieter, besonders wenn mehrere Wohnungen betroffen sein könnten oder der Fehler in der festen Installation liegt. Als Eigentümer wenden Sie sich direkt an einen Elektriker Ihres Vertrauens. Vermuten Sie, dass das gesamte Gebäude oder der Hausanschluss betroffen ist, dann ist der Netzbetreiber der richtige Ansprechpartner. Dessen Nummer finden Sie meist auf Ihrer Stromrechnung oder auf einem Aufkleber am Zählerschrank.
Das dürfen Sie selbst tun, das gehört in die Hände eines Elektrikers
Damit Sie auf der sicheren Seite sind, hier die klare Trennlinie. Selbst erledigen dürfen Sie das Prüfen der Nachbarschaft, den Blick in den Sicherungskasten, das Zurücksetzen eines herausgesprungenen FI-Schutzschalters oder Leitungsschutzschalters, das Abstecken verdächtiger Geräte sowie das Testen eines Geräts an einer anderen Steckdose. Alles, was darüber hinausgeht, gehört einem Fachbetrieb überlassen. Dazu zählen das Öffnen von Steckdosen oder Schaltern, Arbeiten an der festen Leitung in der Wand, jeder Eingriff an verplombten Teilen sowie Schalter, die sich immer wieder ausschalten. Strom verzeiht keine Experimente. Im Zweifel ist ein kurzer Anruf beim Elektriker immer die klügere Entscheidung als ein Risiko, das Ihre Gesundheit oder Ihr Zuhause gefährdet.
Wann Sie den Elektriker-Notdienst rufen sollten
Es gibt Situationen, in denen Sie nicht bis zum nächsten Werktag warten sollten, sondern sofort einen Elektriker-Notdienst verständigen. Das gilt, wenn es aus einer Steckdose oder aus dem Sicherungskasten verschmort riecht, wenn Sie Rauch oder Funken bemerken, wenn Bauteile heiß oder verfärbt sind oder wenn ein Schutzschalter sich trotz aller Maßnahmen nicht mehr einschalten lässt. Auch wenn Wasser in die Installation eingedrungen ist, etwa nach einem Rohrbruch, sollten Sie nicht selbst herumprobieren, sondern fachliche Hilfe holen. Ein seriöser Notdienst nennt Ihnen vorab eine ungefähre Preisspanne und kommt zügig, um die Sicherheit wiederherzustellen.
So beugen Sie künftigen Ausfällen vor
Damit sich die dunkle Überraschung nicht wiederholt, helfen ein paar einfache Gewohnheiten. Verteilen Sie starke Verbraucher wie Wasserkocher, Mikrowelle und Toaster auf verschiedene Stromkreise, statt sie alle an einer Steckdosenleiste zu betreiben. Verzichten Sie auf billige Mehrfachstecker und tauschen Sie beschädigte Kabel frühzeitig aus. Drücken Sie außerdem etwa alle sechs Monate die Prüftaste an Ihrem FI-Schutzschalter, so stellen Sie sicher, dass diese wichtige Schutzeinrichtung im Ernstfall auch wirklich auslöst. Und wenn Ihre Installation schon älter ist oder Sie öfter mit fallenden Schaltern zu kämpfen haben, dann lassen Sie sie einmal von einem Elektriker überprüfen. Eine solche Kontrolle kostet wenig und bringt viel Sicherheit.
Fazit
Wenn bei Ihnen der Strom ausfällt, die Nachbarn aber weiter versorgt sind, liegt die Ursache fast immer in der eigenen Installation, und das ist eine gute Nachricht. Häufig hat schlicht ein Schutzschalter ausgelöst, den Sie mit wenigen Handgriffen selbst zurücksetzen können. Prüfen Sie zuerst die Nachbarschaft, werfen Sie dann einen Blick in den Sicherungskasten und trennen Sie verdächtige Geräte vom Netz. Bleibt das Problem bestehen, springen die Schalter immer wieder heraus oder gibt es Anzeichen wie Geruch, Rauch oder Hitze, dann zögern Sie nicht und holen Sie einen Elektriker. So kommen Sie schnell, sicher und ohne unnötiges Risiko wieder zu Licht und Strom.
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