Altbauten haben einen besonderen Charme. Hohe Decken, Stuck, dicke Mauern und großzügige Räume findet man in modernen Neubauten nur selten. Hinter den schönen Fassaden verbirgt sich jedoch oft eine elektrische Anlage, die seit Jahrzehnten nicht erneuert wurde. Was vor vielen Jahren völlig ausreichte, kann heute schnell zur Gefahr werden. Wer in einem Altbau wohnt oder eine ältere Immobilie kaufen möchte, sollte die elektrische Installation deshalb genau prüfen lassen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wann eine Erneuerung sinnvoll oder sogar notwendig ist, welche Warnzeichen Sie ernst nehmen sollten und worauf ein erfahrener Elektriker dabei besonders achtet.
Warum alte elektrische Anlagen zum Problem werden
Als viele Altbauten errichtet wurden, gab es weder Waschmaschine noch Geschirrspüler, keine Mikrowelle, kein Klimagerät und keine leistungsstarken Computer. Eine Wohnung kam damals mit wenigen Stromkreisen und einer Handvoll Steckdosen aus. Heute hängt an fast jeder Wand mehr als ein Gerät, und der Strombedarf ist um ein Vielfaches gestiegen.
Eine über fünfzig Jahre alte Installation ist auf diese Belastung schlicht nicht ausgelegt. Leitungen werden überlastet, Sicherungen lösen häufig aus, und im schlimmsten Fall droht ein Kabelbrand. Hinzu kommt, dass auch das Material altert. Die Isolierung der Leitungen wird mit den Jahren spröde und brüchig, vor allem bei sehr alten stoff- oder gummiummantelten Kabeln. Genau hier liegt das eigentliche Risiko, denn beschädigte Isolierungen sieht man von außen nicht. Sie verbergen sich unter Putz, in Wänden und in Verteilerdosen, wo niemand sie kontrolliert.
Die häufigsten Warnzeichen für eine veraltete Elektrik
Viele Hausbesitzer ahnen gar nicht, dass ihre elektrische Anlage längst überholt ist. Es gibt jedoch einige deutliche Anzeichen, bei denen Sie aufmerksam werden sollten. Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome bemerken, ist es höchste Zeit, einen Elektriker hinzuzuziehen.
Ein klassisches Warnzeichen sind häufig auslösende Sicherungen. Springt die Sicherung schon dann heraus, wenn Sie nur ein weiteres Gerät einschalten, ist die Anlage überlastet. Auch flackerndes oder kurz dimmendes Licht beim Einschalten großer Verbraucher deutet auf ein Problem hin. Ein sehr ernstes Signal sind warme oder verfärbte Steckdosen sowie ein leichter Brandgeruch in der Nähe von Schaltern und Dosen. In diesem Fall sollten Sie das betroffene Gerät sofort vom Netz nehmen und nicht mehr verwenden, bis ein Fachmann die Anlage geprüft hat.
Weitere Hinweise sind alte Schraubsicherungen statt moderner Sicherungsautomaten, zu wenige Steckdosen, sodass überall Mehrfachsteckdosen im Einsatz sind, sowie alte Steckdosen ohne Schutzkontakt. Auch ein knisterndes oder summendes Geräusch im Sicherungskasten ist kein gutes Zeichen. Wer regelmäßig mit Verlängerungskabeln arbeitet, weil schlicht zu wenige Anschlüsse vorhanden sind, lebt ebenfalls mit einer Anlage, die nicht mehr zum heutigen Alltag passt.
Gefährliche Bauteile, die in vielen Altbauten noch stecken
In sehr alten Gebäuden finden sich teils Bauteile, die heute nicht mehr zulässig oder schlicht überholt sind. Ein häufiges Beispiel ist die klassische Nullung. Bei dieser veralteten Methode wurde auf einen getrennten Schutzleiter verzichtet. Für Neuinstallationen ist sie seit Langem nicht mehr erlaubt, in alten Häusern ist sie aber noch oft anzutreffen. Sie bietet im Fehlerfall deutlich weniger Schutz als ein modernes System mit eigenem Schutzleiter.
Ebenso problematisch sind Installationen mit nur zwei Adern, also ganz ohne Schutzleiter. Berührt man dann ein defektes Gerät, kann der Strom keinen sicheren Weg über die Erdung nehmen. Auch alte Aluminiumleitungen, die in manchen Bauten der 1960er und 1970er Jahre verlegt wurden, gelten als anfällig, weil sich Klemmstellen mit der Zeit lockern und erwärmen können.
Besonders kritisch sind die bereits erwähnten textil- oder gummiummantelten Leitungen aus der Zeit vor etwa 1960. Ihre Isolierung zerfällt mit den Jahren regelrecht. Wer solche Leitungen im Haus hat, sollte eine Erneuerung nicht aufschieben. Ein Elektriker erkennt diese alten Bauteile zuverlässig und kann einschätzen, ob ein Teilbereich genügt oder die gesamte Anlage neu verlegt werden muss.
Sicherheit nach aktuellem Standard
Moderne elektrische Anlagen müssen den geltenden Normen entsprechen, in Deutschland sind das vor allem die Vorgaben des VDE. Ein zentrales Element ist der Fehlerstromschutzschalter, kurz FI-Schutzschalter oder RCD genannt. Er erkennt selbst kleinste Fehlerströme und schaltet den Stromkreis blitzschnell ab, bevor ein Mensch einen gefährlichen Schlag bekommt. Für neue Steckdosenstromkreise im Wohnbereich ist dieser Schutz heute Pflicht, in vielen Altbauten fehlt er jedoch vollständig.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Aufteilung in ausreichend viele Stromkreise. Sind Küche, Bad, Wohnzimmer und Kinderzimmer alle über denselben Kreis abgesichert, ist eine Überlastung vorprogrammiert. Eine zeitgemäße Installation verteilt die Lasten sinnvoll, schützt einzelne Räume separat und sorgt dafür, dass nicht gleich die ganze Wohnung dunkel wird, wenn an einer Stelle etwas auslöst. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, lässt einen sogenannten E-Check durchführen. Dabei prüft ein Elektriker die komplette Anlage und dokumentiert ihren Zustand schriftlich.
Komplett erneuern oder Schritt für Schritt vorgehen?
Nicht immer muss die gesamte elektrische Installation auf einmal erneuert werden. Welcher Weg der richtige ist, hängt vom Zustand der Anlage und von Ihren Plänen ab. Steht ohnehin eine Kernsanierung an, bei der Wände geöffnet und Räume umgestaltet werden, ist der ideale Zeitpunkt für eine komplette Neuinstallation gekommen. Dann lassen sich neue Leitungen, zusätzliche Steckdosen und ein moderner Verteilerschrank in einem Zug realisieren, ohne dass später noch einmal Putz und Tapete leiden müssen.
Ist die Anlage in Teilen noch in Ordnung, kann auch eine schrittweise Erneuerung sinnvoll sein. So lässt sich zum Beispiel zuerst der Sicherungskasten modernisieren und mit einem FI-Schutzschalter ausstatten, bevor nach und nach einzelne Räume folgen. Diese Variante verteilt die Kosten über einen längeren Zeitraum. Wichtig ist nur, dass die dringendsten Sicherheitsmängel zuerst behoben werden. Ein Elektriker erstellt Ihnen dazu gerne einen klaren Plan, der Sicherheit und Budget in Einklang bringt.
Was kostet die Erneuerung der Elektrik?
Pauschale Preise gibt es bei diesem Thema nicht, denn jeder Altbau ist anders. Die Kosten hängen von der Wohnfläche, der Anzahl der gewünschten Anschlüsse, dem Aufwand für das Stemmen der Wände und den örtlichen Gegebenheiten ab. Als grobe Orientierung lässt sich sagen, dass eine vollständige Neuinstallation pro Quadratmeter Wohnfläche im mittleren bis oberen zweistelligen Eurobereich liegen kann, in aufwendigen Fällen auch darüber. Eine schrittweise Modernisierung verteilt diese Summe entsprechend.
Wichtig ist, dass Sie sich nicht allein vom Preis leiten lassen. Eine sichere elektrische Anlage ist eine Investition in den Schutz Ihrer Familie und Ihres Eigentums. Ein seriöser Elektriker schaut sich Ihren Altbau vorab an und erstellt ein transparentes Angebot, in dem alle Leistungen klar aufgeführt sind. So wissen Sie von Anfang an, womit Sie rechnen müssen, und vermeiden böse Überraschungen.
Wann Sie einen Elektriker rufen sollten
Arbeiten an der elektrischen Anlage gehören grundsätzlich in die Hände eines geprüften Fachmanns. Anders als beim Streichen oder Tapezieren ist hier keine Stelle für Heimwerkerexperimente, denn Fehler können Leben kosten. Spätestens wenn Sie die oben genannten Warnzeichen bemerken, sollten Sie nicht zögern und einen Termin vereinbaren.
Sollte es einmal schnell gehen müssen, etwa bei einem plötzlichen Stromausfall, einem Kurzschluss oder einem verschmorten Anschluss, ist schnelle und fachkundige Hilfe entscheidend. Elektro Singer ist rund um die Uhr für Sie da und unterstützt Sie sowohl bei der geplanten Erneuerung Ihrer Altbau-Installation als auch im Notfall. Ein erfahrener Elektriker prüft Ihre Anlage, erkennt versteckte Risiken und bringt Ihr Zuhause sicher auf den heutigen Stand der Technik.
Ein Altbau ist ein Schatz, den es zu erhalten lohnt. Mit einer modernen, sicheren elektrischen Installation genießen Sie den Charme alter Mauern, ohne sich Sorgen um Brände oder Stromschläge machen zu müssen. Warten Sie nicht, bis es zu spät ist. Lassen Sie Ihre Elektrik prüfen und schaffen Sie die Grundlage für ein sicheres und komfortables Zuhause.
